Trauer Gedichte und Texte
Aussegnungsspruch
Lieber Name des Verstorbenen
Die Zahl deiner Tag hat sich erfüllt
Du bist nun verstorben.
Die Hülle deines Leibes ist das letzte von dir,
was wir mit Augen anschauen können.
Wir werden sie dieser Tage bestatten.
Deine Seele ist nun auf dem Weg in das Reich des Nachtodlichen.
Sie finde Ruhe und Frieden, Wärme und Licht.
Wir werden sie auch in Zukunft erfühlen,
indem wir die Erinnerung an dich pflegen.
Der ewige Weltengeist wecke deinen Geist.
Er leite dich weiter zu neuen Zielen.
Er stärke auch uns, dass wir unseren Zielen treu bleiben
und die Prüfungen des Lebens bestehen.
Gedenkspruch
Name des Verstorbenen
Wir gedenken Deiner
Was du gedacht hast
sei Gegenstand unseres Interesses
Was du gefühlt hast,
berühre unsere Herzen.
Was du gewollt hast,
sei treu von uns bewahrt.
Wir sind bei dir und du bist bei uns
im Geiste und im Herzen.
Wie wird eine Bestattung zu einer Kulturtat
Eine Bestattung ist immer eine Angelegenheit, die man nicht aus freien Stücken tut, sondern die sich von selbst an einen heranträgt, ob man will oder nicht. Der Tod eines nahestehenden Menschen kann manchmal erwartet sein, aber manchmal auch sehr plötzlich – zum Beispiel durch einen Autounfall oder durch eine sehr aggressive Krankheit – unumkehrbare Lebensrealität geworden sein.
Die nun zu organisierende Bestattung soll in wenigen Tagen stattfinden. Als solche hat sie eine äußerliche Seite, die man über den Bestatter regeln lassen kann, sowie eine innere Seite, der man sich stellen kann oder die man auch – zum Teil mit Hilfe der Äußerlichkeiten verdrängen kann.
Was oft noch nicht wirklich bewusst ist, ist das die Erinnerung und damit das Fortleben mit dem Verstorbenen, den man dann im Jenseits weiß und auch fühlt, wesentlich geprägt ist, durch das, was im Augenblick der Bestattung durch den Pfarrer oder den Redner ausgesprochen wird.
Wird eine Bestattung nur äußerlich vollzogen – vielleicht noch durch einen prächtigen Sarg und schöne Blumen – dann bleibt hinterher eine recht große Leere.
Wird eine Bestattung würdig vollzogen – und würdig heißt nun, dass der Pfarrer oder der Redner auf das Leben des Verstorbenen blickt und dabei nicht nur die Stationen des Lebens aufzählt, sondern darstellt wie die Höhen und die Tiefen sich entwickelt und gegenseitig bedingt haben, dann kann man das Gefühl haben, die Seele und der Geist des Verstorbenen sind bei den Bestattung anwesend. Eine Bestattungsrede, die nur alles in ein schönes Licht setzen will, ist unwürdig, weil sie nicht der Dramatik des Lebens Raum gibt. Es gilt hier das Goethewort „Es irrt der Mensch solang er strebt.“ Und der Pfarrer, bzw der Redner muss für beides die richtigen Worte finden ohne dabei den Menschen zu verurteilen.
Ein Angehöriger oder nahestehender Mensch macht immer den Sterbeprozess ein Stück mit. Hinterher weiß man dann sehr gut, wie sehr man dem Alltag enthoben war. In einer solchen Verfassung kann sich ein Wort des Pfarrers, bzw. des Redners sehr tief in die Seele einprägen und einen lange begleiten. Deswegen sind abgenudelte Bestattungsreden etwas wirklich Schreckliches und unbedingt zu vermeiden, wie auch ein nur theoretisches Reden über Gottes Gnade, die die Seele nach dem Tode aufnimmt, usw.
Wer das Leben kennt, weiß wie sich die Verhältnisse der Lebenden zu den Verstorbenen wirklich gestalten. Es ist ein Verlieren und Wiederfinden in verschiedenen Stufen.
Das erste ist der unmittelbare Verlust. Der Mensch liegt tot auf dem Sterbebett oder im Sarg und reagiert nicht mehr.
Wer sich davon nicht beirren lässt, sondern sich neben den Verstorbenen setzt und sich, so es die Umstände erlauben dazu auch Zeit nimmt, der kann durchaus fühlen, wie der Verstorbene wie in einer zarten unsichtbaren Lichtwolke anwesend ist. Auch das Antlitz des Verstorbenen weißt noch einen Ausdruck auf, der sich sogar verändert. Erst nach ca 3 Tagen hört das auf. Das ist dann auch der Zeitpunkt, der günstig ist für die Bestattung. Auch noch lange Zeit nach der Bestattung kann man in einem Nachklang leben. Die Erinnerungen an den Verstorbenen sind erstaunlich frisch und kräftig. Viel kräftiger als zu Lebzeiten. Sie sind geeignet, dass man seine Erinnerungen aufschreibt. Dabei kann man Seiten des Verstorbenen entdecken, die man im Leben übersehen hat oder die man noch nicht richtig bewertet hat. Gerade solche Neuentdeckungen können sehr bewegend sein. Wichtig ist nur, dass man dabei ehrlich und unbefangen sich selbst und dem Verstorbenen gegenüber bleibt.
Diese Kräftigkeit der Erinnerung hört aber nach einigen Monaten oder wenigstens einigen Jahren auf. Es tritt ein zweiter Verlust ein. Vielleicht nicht so schmerzhaft, wie der erste Verlust, aber doch real.
Dann nach Jahren kann ein neues Wiederfinden stattfinden. Dieses Mal aber sind die Erinnerungen viel gedanklicher und freier. Man erinnert sich nicht mehr einfach so, sondern man denkt an den Verstorbenen in einem sachlichen Zusammenhang und stellt fest, dass man im Gedenken an ihn zu einem Problem plötzlich neue Gesichtspunkte gewinnt. Manchmal ist das der Moment, im dem man seinen schrulligen alten Herrn plötzlich in dieser oder jener Hinsicht zu schätzen beginnt.
Zusamengefasst kann man die Stufen so aufzählen:
- Verlust durch den Tod
- Wiederfinden indem die Gegenwart des Verstorbenen gefühlt wird und kräftige Erinnerungen zur Verfügung stehen
- Verlust durch Verblassen der Erinnerungen
- Wiederfinden in einem lebendigen Verstehen des vor längerer Zeit Verstorbenen
Was kann das für die Bestattung heißen?
- Eine Aufbahrung benötigt eine hygienische Versorgung des Verstorbenen. Sonst gast der Verdauungsapparat aus Nase, Mund und After und der Verstorbene riecht unangenehm, obwohl er noch nicht verwest. Deshalb muss der Bestatter gefragt werden, wie er die Aufbahrung vorbereitet. Eine hygienische Versorgung ist auch bei traditionellen Bestattern nicht von vornherein selbstverständlich.
- Je inhaltsvoller eine Bestattung ist, umso schlichter kann der Sarg und der Blumenschmuck sein. Ein einfacher unbehandelter Kiefernsarg mit einigen Tüchern und Rosen darauf kann vollauf genügen. Bestatter stempeln einen solchen Sarg gerne als Verbrennersarg ab, denn sie verdienen daran nicht so viel. Er geht aber genauso für eine Erdbestattung.
- Wenn der Pfarrer den Verstorbenen gekannt hat, dann ist er auf jeden Fall der richtige. Ebenso wenn der Verstorbene in einem innigen Verhältnis zu einer religiösen Gemeinschaft stand. Aber man muss einem Pfarrer manchmal schon nahe bringen, was einem für die Rede wichtig ist. Auch ein Freiredner kann eine gute Wahl sein, wenn er sorgfältig die Linien des Lebens in seiner Ansprache nachzeichnet und einen Sinn für Entwicklungsschritte in einer Biographie hat.
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Bei der Grabwahl steht man oft vor der Entscheidung, ob es ein günstigeres Reihengrab sein soll, das aber nach einer bestimmten Anzahl von Jahren unwiderruflich ausläuft, oder ob es ein teureres Wahlgrab, das beliebig verlängert werden kann, sein soll. Beim Wiederfinden durch lebendiges Verstehen des Verstorbenen spielt der Ort, an dem der Leichnam oder die Asche der Erde übergeben wurde, keine Rolle mehr. Deshalb ist das günstigere Reihengrab durchaus zu empfehlen.
Volker Schaffrath
Theologe und Bestatter
in Stuttgart, Tübingen und Reutlingen
Der Türmer
Vor mehreren hundert Jahren lebte auf der Burg Hohenurach ein Burgherr, der als Fürst über sein kleines Reich herrschte. Dieses Reich war so groß, soweit man schauen konnte und noch etwas darüber hinaus. Wenn nun in den Wäldern Räuber ihr Unwesen trieben, dann musste der Burgherr mit seinen Rittern und Waffenknechten ausziehen und die Räuber festsetzen. Dabei konnte es zu heftigen Kämpfen kommen. Außerdem schaute der Burgherr, dass die Bauern ihre Abgaben leisteten. Einmal nahm er auch an einem großen Feldzug teil, wo er seinem Lehnsherrn Folge leistete. Da war er über ein Jahr in der Ferne und nicht alle seine Ritter kehrten wieder mit ihm auf die Burg zurück. Am Sonntag ging er meist mit seiner Gemahlin den Berg hinunter und hörte die Messe in der Uracher Pfarre.
Dieser Burgherr aber hatte einen Turmwächter. Der stand nahezu Tag und Nacht auf einem der Türme oder ging über die dicken Mauern und spähte mit seinen scharfen Augen in die Umgebung. Er hatte ein Horn und wenn sich ein Gast der Burg nahte, dann schmetterte er ein freudiges Begrüßungssignal. Wenn sich aber fremdes Gesindel an die Burg heranschlich oder gar ein feindliches Heer aufmarschierte, blies er ein durchdringendes Warnsignal. Dann kamen die Waffenknechte aus der Wachstube gerannt, zogen die Zugbrücke hoch und besetzten die Wehrgänge. Praktisch sein ganzes Leben hielt dieser Turmwächter auf der Burg Wache. Und wenn der Burgherr zur Jagd ritt oder zu einem Kampf auszog, vertraute er ihm die Sicherheit der Burg an.
Im Winter fror der Wächter zum Teil übel. Dann mummte er sich ein, so gut es ging. Im Sommer genoss er die warme Sonne und den frischen Wind. Aber immer schaute er gerne in die Landschaft und manchmal hörte man ihn mit seiner rauen Stimme ein Lied singen.
(Der Text des Liedes ist nicht so genau überliefert, aber manche sagen, dass er ungefähr so lautete:
Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt
Dem Turme geschworen gefällt mir die Welt
Ich blick in die Ferne, ich seh' in der Näh'
Den Mond und die Sterne, den Wald und das Reh
Goethe, Vertonung nach Lothar Reubke)
Nach einem langen Leben verstarben der Burgherr und sein Turmwächter etwa zur selben Zeit. Der Burgherr kam zuerst im Himmel an und hatte da mit dem lieben Gott ein ernstes Gespräch. Bis in alle Kleinigkeiten musste er Rechenschaft ablegen, ob er nicht die Bauern zu sehr gepresst, ob er seinen Kindern ein gütiger und gerechter Vater gewesen war, ob er seine Gemahlin geachtet und dem heiligen Sankt Petrus eine Kapelle gebaut hatte. Aber vor allen Dingen, ob er ehrlich gekämpft hatte. Dann erst wurde er in den Himmel eingelassen.
Kurze Zeit später kam auch der Turmwächter in dem Himmel an. Auch er hatte ein ernstes Gespräch mit dem lieben Gott: Ob er gut Wache gehalten habe, ob er nicht zuviel geflucht und getrunken hatte. Oh, das war ein peinlicher Moment, denn das mit der Kälte wollte der liebe Gott nicht gelten lassen. Und so manches mehr. So lang wie das Gespräch des Burgherrn war das Gespräch des Turmwächters nicht. Aber am Ende sagte der liebe Gott zu dem Turmwächter, er solle noch etwas warten.
Der liebe Gott ergriff nun einen goldenen Gong und schlug mit einem silbernen Klöppel dagegen. Ein feiner heller Ton breitete sich im dem Himmelsraum aus und verklang allmählich.
Erst hörte der Turmwächter nichts. Dann aber vernahm er ein leises Rauschen, das bald anschwoll. Von allen Seiten kamen die Engel des Himmels heran geflogen und ließen sich erwartungsvoll im Kreis um den Turmwächter nieder. Als sie zur Ruhe gekommen waren, forderte ihn der liebe Gott auf: Und nun erzähl!
„Was soll ich denn erzählen?“ fragte der Turmwächter verwundert.
Da stand ein jugendlicher Engel in einem blau-roten Gewand auf und bat: „ Erzähl uns, wie es ist, wenn am Morgen die Sonne aufgeht und wie es ist, wenn sie abends untergeht.“
Ein großer, starker Engel richtete die Bitte an ihn: „Erzähl uns, wie es ist, wenn der Sturm um die Burg braust.“
Ein sanfter Engel: „ Erzähl uns, wie es ist, wenn die Frühlingssonne die zarten Blumenkelche bescheint.“
Ein vierter Engel: Erzähl uns, wie es ist, wenn der Mond durch das Tal scheint.“
„Ach so etwas wollt ihr hören“, meinte der Turmwächter. Und dann fing er an zu erzählen und die Engel hörten aufmerksam zu.
Nachdem er lange, lange erzählt hatte, baten ihn die Engel, noch einmal das Lied zu singen. Der Turmwächter schämte sich erst ein bisschen, aber dann sang er doch. Als er jedoch geendigt hatte, sangen ihm die Engel eine zweite Strophe:
So sahst du in allen die ewige Zier
Und wie’s dir gefallen, gefiel es auch hier.
Die glücklichen Augen, was je sie gesehn,
Es sei wie es wolle, es war doch so schön.
(Frei nach Goethe)
Ja, die Engel haben dann den Turmwächter in den Himmel aufgenommen und ihm dort viel gezeigt. Später haben sie ihn dann wieder auf die Erde geschickt. Und liebe Kinder, ihr dürft raten, was er dann auf der Erde tun sollte. - Nun, er wurde ein Naturforscher und zeigte den Menschen das Walten Gottes in der Natur.