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Bestatter - Beerdigungen - Bestattungen - Stuttgart

Bestattung Stuttgart

 

Wie wird eine Bestattung zu einer Kulturtat

 

 

Eine Bestattung ist immer eine Angelegenheit, die man nicht aus freien Stücken tut, sondern die sich von selbst an einen heranträgt, ob man will oder nicht. Der Tod eines nahestehenden Menschen kann manchmal erwartet sein, aber manchmal auch sehr plötzlich – zum Beispiel durch einen Autounfall oder durch eine sehr aggressive Krankheit – unumkehrbare Lebensrealität geworden sein.

 

Die nun zu organisierende Bestattung soll in wenigen Tagen stattfinden. Als solche hat sie eine äußerliche Seite, die man über den Bestatter regeln lassen kann, sowie eine innere Seite, der man sich stellen kann oder die man auch – zum Teil mit Hilfe der Äußerlichkeiten verdrängen kann.

 

Was oft noch nicht wirklich bewusst ist, ist das die Erinnerung und damit das Fortleben mit dem Verstorbenen, den man dann im Jenseits weiß und auch fühlt, wesentlich geprägt ist, durch das, was im Augenblick der Bestattung durch den Pfarrer oder den Redner ausgesprochen wird.

 

Wird eine Bestattung nur äußerlich vollzogen – vielleicht noch durch einen prächtigen Sarg und schöne Blumen – dann bleibt hinterher eine recht große Leere. 

 

Wird eine Bestattung würdig vollzogen – und würdig heißt nun, dass der Pfarrer oder der Redner auf das Leben des Verstorbenen blickt und dabei nicht nur die Stationen des Lebens aufzählt, sondern darstellt wie die Höhen und die Tiefen sich entwickelt und gegenseitig bedingt haben, dann kann man das Gefühl haben, die Seele und der Geist des Verstorbenen sind bei den Bestattung anwesend. Eine Bestattungsrede, die nur alles in ein schönes Licht setzen will, ist unwürdig, weil sie nicht der Dramatik des Lebens Raum gibt. Es gilt hier das Goethewort „Es irrt der Mensch solang er strebt.“ Und der Pfarrer, bzw der Redner muss für beides die richtigen Worte finden ohne dabei den Menschen zu verurteilen.

 

Ein Angehöriger oder nahestehender Mensch macht immer den Sterbeprozess ein Stück mit. Hinterher weiß man dann sehr gut, wie sehr man dem Alltag enthoben war. In einer solchen Verfassung kann sich ein Wort des Pfarrers, bzw. des Redners sehr tief in die Seele einprägen und einen lange begleiten. Deswegen sind abgenudelte Bestattungsreden etwas wirklich Schreckliches und unbedingt zu vermeiden, wie auch ein nur theoretisches Reden über Gottes Gnade, die die Seele nach dem Tode aufnimmt, usw.

 

Wer das Leben kennt, weiß wie sich die Verhältnisse der Lebenden zu den Verstorbenen wirklich gestalten. Es ist ein Verlieren und Wiederfinden in verschiedenen Stufen.

 

Das erste ist der unmittelbare Verlust. Der Mensch liegt tot auf dem Sterbebett oder im Sarg und reagiert nicht mehr.

 

Wer sich davon nicht beirren lässt, sondern sich neben den Verstorbenen setzt und sich, so es die Umstände erlauben dazu auch Zeit nimmt, der kann durchaus fühlen, wie der Verstorbene wie in einer zarten unsichtbaren Lichtwolke anwesend ist. Auch das Antlitz des Verstorbenen weißt noch einen Ausdruck auf, der sich sogar verändert. Erst nach ca 3 Tagen hört das auf. Das ist dann auch der Zeitpunkt, der günstig ist für die Bestattung. Auch noch lange Zeit nach der Bestattung kann man in einem Nachklang leben. Die Erinnerungen an den Verstorbenen sind erstaunlich frisch und kräftig. Viel kräftiger als zu Lebzeiten. Sie sind geeignet, dass man seine Erinnerungen aufschreibt. Dabei kann man Seiten des Verstorbenen entdecken, die man im Leben übersehen hat oder die man noch nicht richtig bewertet hat. Gerade solche Neuentdeckungen können sehr bewegend sein. Wichtig ist nur, dass man dabei ehrlich und unbefangen sich selbst und dem Verstorbenen gegenüber bleibt.

 

Diese Kräftigkeit der Erinnerung hört aber nach einigen Monaten oder wenigstens einigen Jahren auf. Es tritt ein zweiter Verlust ein. Vielleicht nicht so schmerzhaft, wie der erste Verlust, aber doch real.

 

Dann nach Jahren kann ein neues Wiederfinden stattfinden. Dieses Mal aber sind die Erinnerungen viel gedanklicher und freier. Man erinnert sich nicht mehr einfach so, sondern man denkt an den Verstorbenen in einem sachlichen Zusammenhang und stellt fest, dass man im Gedenken an ihn zu einem Problem plötzlich neue Gesichtspunkte gewinnt. Manchmal ist das der Moment, im dem man seinen schrulligen alten Herrn plötzlich in dieser oder jener Hinsicht zu schätzen beginnt.

 

Zusamengefasst kann man die Stufen so aufzählen:

 

  • Verlust durch den Tod
  • Wiederfinden indem die Gegenwart des Verstorbenen gefühlt wird und kräftige Erinnerungen zur Verfügung stehen
  • Verlust durch Verblassen der Erinnerungen
  • Wiederfinden in einem lebendigen Verstehen des vor längerer Zeit Verstorbenen
 
Was kann das für die Bestattung heißen?
 
  •        Eine Aufbahrung benötigt eine hygienische Versorgung des Verstorbenen. Sonst gast der Verdauungsapparat aus Nase, Mund und After und der Verstorbene riecht unangenehm, obwohl er noch nicht verwest. Deshalb muss der Bestatter gefragt werden, wie er die Aufbahrung vorbereitet. Eine hygienische Versorgung ist auch bei traditionellen Bestattern nicht von vornherein selbstverständlich.
  •     Je inhaltsvoller eine Bestattung ist, umso schlichter kann der Sarg und der Blumenschmuck sein. Ein einfacher unbehandelter Kiefernsarg mit einigen Tüchern und Rosen darauf kann vollauf genügen. Bestatter stempeln einen solchen Sarg gerne als Verbrennersarg ab, denn sie verdienen daran nicht so viel. Er geht aber genauso für eine Erdbestattung.
  •       Wenn der Pfarrer den Verstorbenen gekannt hat, dann ist er auf jeden Fall der richtige. Ebenso wenn der Verstorbene in einem innigen Verhältnis zu einer religiösen Gemeinschaft stand. Aber man muss einem Pfarrer manchmal schon nahe bringen, was einem für die Rede wichtig ist. Auch ein Freiredner kann eine gute Wahl sein, wenn er sorgfältig die Linien des Lebens in seiner Ansprache nachzeichnet und einen Sinn für Entwicklungsschritte in einer Biographie hat.
  •      Bei der Grabwahl steht man oft vor der Entscheidung, ob es ein günstigeres Reihengrab sein soll, das aber nach einer bestimmten Anzahl von Jahren unwiderruflich ausläuft, oder ob es ein teureres Wahlgrab, das beliebig verlängert werden kann, sein soll. Beim Wiederfinden durch lebendiges Verstehen des Verstorbenen spielt der Ort, an dem der Leichnam oder die Asche der Erde übergeben wurde, keine Rolle mehr. Deshalb ist das günstigere Reihengrab durchaus zu empfehlen.
     

 

Volker Schaffrath

Theologe und Bestatter

in Stuttgart, Tübingen und Reutlingen